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ISOLDE UND ISOLDE
Hörstück mit Rolltreppenkomposition
Karin Derkow
1. Sprecher: (Zum Hören) "Am Ende der Nacht und im Bereich des Wesentlichen geht es immer um den ontologischen Tod, den Tod des Lebewesens selbst durch eine doppelte Erschöpfung, die des Sehens und die des Sagens...".
"Ich sagte einmal, daß Absätze emotional seien und Sätze nicht. Absätze sind emotional, nicht weil sie eine Emotion ausdrücken, sondern weil sie eine Emotion feststellen oder begrenzen. Vergleichen Sie Absätze mit Sätzen irgendeinen Satz und Sie werden sehen, was ich meine. Ich will nicht sehr viel über das erzählen, was ich erzählen will nur gerade ein wenig darüber."
2. Sprecher: Kino. Kino des 21. Jahrhunderts. Tristan.
Schauspielerin: (1) seltsames Jagdlied "daz vremede jagelied" die Hofgesellschaft kommt zusammen. König Marke selbst kommt mit ihm viele Hofleute die Geschichte wahrzunehmen "nemen dirre maere war" Tristan beginnt den König anzusehen. vor all den anderen ...gefällt er ihm. sein Herz ...hat ihn auserwählt er ist von seinem Blut. er sieht ihn mit den Augen an grüßt ihn "schone". beginnt ein seltsames Jagdlied "in vremdem horndone". keiner ...kann dem Klang folgen. zur rechten Zeit
... läßt Tristan es sein.
er spricht gegen den König ...mit lieblichen Mund "mit süezem munde". die Hofgemeinschaft ...und Marke ...erwiedern.
(2) der König sieht das Kind "Tristan" an.
wirbt ihn
...als Jägermeister.
der Hof weiht Tristan
...in einem Lied
2. Sprecher: entweder warten wir oder aber es überstürzt sich /Rolltreppengeräusch (im folgenden als *)
Schauspielerin: (3) Tristan ist nach Hause
...gekommen (er weiß es aber nicht).
der König sieht ihn gerne
sein Herz wendet sich ihm zu
er sah Tristan gern
...und oft an
1. Sprecher:
Auf die leiseren Töne der Zeit hören.
Die leiseren Töne aufgezeichnet...
...der Dialog aber handelt vom Alltag /*
Schauspielerin: (4) Tristan spielt bretonische Lieder.
Marke sieht zu betrachtet alles
gibt acht
...auf seinen Freund Tristan "sinen vriunt Tristanden ahtande".
er wundert sich
...wie Tristan höfische Fähigkeiten verbergen konnte.
die Herzen
...Ohren
...der Gesellschaft
...beginnen schwach und närrisch zu werden
...beginnen
zu wanken.
Gedanken entstanden
...in vielerlei Weise: wie ist der Kaufmann zu einem höfischen Sohn gekommen.
die Finger Tristans bewegten sich
...auf den Seiten
die Laute breiteten sich aus
der Saal war von ihnen ausgefüllt.
auch die Augen hatten viel zu sehen
um manches schauten sie verwundert "der kampfete vil manegez dar"
...und sahen seine Hände an.
(5)
Rual läßt Tristan bestellen
ein armer Mann sei am Hofe
der Tristan sprechen will.
(Hinzufügung: er komme aus dem gleichen Land wie Tristan.)
sofort kommt Tristan.
als er ihn sieht
...mit dem Herzen
...sprach er
...mit dem Munde:
1. Sprecher: die leiseren Töne ... der Dialog aber handelt vom Alltag
Vater ... Mit Rual ...hält er zwischen seinen Händen ...auf einmal ...alle Verwandten und Freunde die er in seinem Leben je hatte.
Tristan fragt Rual: wo ist Dein herrlicher Körper geblieben.
Rual zum Sohn: du hast ihn mir genommen.
Tristan: dann will ich ihn Dir wiedergeben.
Rual zum Sohn: wenn wir das erleben. Tristan: nun ... Vater ... geh mit mir zum Hofe. Rual: nein ... Sohn ... ich gehe nicht mit Dir Du siehst doch ich bin nicht höfisch. Tristan: nein ... Vater ... das muß geschehen
der König mein Herr ...soll Dich sehen. Rual dachte im Geist "muote":
der König ...wird mich gerne sehen
ich erzähle ihm von seinem Neffen
der steht hier
wenn ich ihm alles
...von Anfang an
...erzähle
was ich getan habe
herrlich wird erscheinen
was ich jetzt trage
...an meinem Körper. Tristan führt Rual ...wie er ist ...an der Hand zum Hofe. er tritt vor Marke dieser ...sieht ihn an "er im under ougen sach" Marke befragt Tristan ...nach Rual begrüßt ihn. Rual verneigt sich ... höfisch.
1. Sprecher: (parallel mit (6) beginnend) Die Hälfte der Zeit ist es im Kino dunkel. /* (sehr hell gesprochen)
Schauspielerin: (6) großes Geraune ...erhebt sich von Rittern und Baronen
die fragen sich ist Rual der Kaufmann von dem sein Sohn Tristan erzählte.
Rual wird von Tristan gebadet
angekleidet. verstärkt ... die Fragen ... der Zweifel.
kann Rual ein Kaufmann sein. der König ist mit Rual ...an einem Tisch. nach dem Essen wird Rual auf seine Geschichte hin befragt.
die Ritter ...hörten alle zu ...und nahmen die Geschichte wahr
_______________Stille
(7) die Hofgesellschaft hört Ruals Geschichte. das ist die Geschichte Tristans. Tristan ist nicht sein Sohn. wer ...ist Tristan.
_________Stille
(8) Rual erzählt Tristans Abstammung Tristan weint die Gesellschaft ebenso wie auch Marke. besonders nah geht die Geschichte Tristan er soll Vater und Vaterglauben verloren haben.
(9) Rual erzählt weiter
...seine Geschichte. so weint Marke
...Rual ...die ganze Gesellschaft. Tristan nicht er konnte nicht klagen
...über das
was er hörte.
zu schnell kam die Rede auf ihn.
Marke ... läßt sich von Tristan küssen
bietet sich
...als Erbvater an. er fragt Rual nach seinem Namen
erinnert sich
den Namen schon gehört zu haben
weise und ehrenvoll sei dieser. Marke küßt Rual empfängt ihn
wie es ihm entsprach.
die Herren kamen begrüßten ihn ebenso.
(10) der König selbst führt nun Ruall
...zu seinem Platz
läßt ihn neben sich sitzen
beide führen die Geschichte fort.
Tristan hört die Geschichte.
er wird sich ihrer erst später erfreuen
er müsse ohne Vater sein
zwei habe er gewonnen.
der Marschall (Rual):
nun ... Geselle (Tristan)
...laß die Rede es ist nicht so. durch meine Ankunft bist Du würdiger geworden
als Du glaubtest zu sein ... hast Ansehen gewonnen hast ... zwei statt einen Vater ... hier meinen Herren ... und mich er ist Dein Vater wie ich folge meiner Lehre ... sei jetzt immer allen Königen ebenbürtig ... laß die Rede ... und tu nur das: meinen Herren Deinen Onkel bitte ... Dich nach Hause zu schicken ... Dich hier zum Ritter zu machen. Ihr Herren sagt dem alle zu
damit es der Herr gerne tut.
sie tun das. Besinnung Tristans auf die ritterlichen Tugenden. dieser Besinnung
...bietet Marke seinen Besitz. Marke findet an Tristan
...die Art des Herrschers.
er will allen Besitz an Tristan vermachen
ist dem nicht so
soll alles zergehen "zegan".
reiner O-Ton: schnelle Steigerung von übereinander gelagerten Rolltreppentönen / * (dafür entsteht so viel Platz wie nötig ist; der nächste Abschnitt wird in den Ton hineingesprochen)
(11) Verbeugungen Verehrungen im Chor: "ere unde lop mit schalle" Ausgleich ... zwischen Rual und Tristan. Gottfried ...lobt den Ausgleich ...zwischen jung und alt Tugend und Jugend. Rual ...erkennt ... anerkennt Tristan.
betrachtet seine Jugend. Tristan folgt der Jugend Ruals. bei den beiden war Gesinnung ... und ... Empfindung
...gleich.
2. Sprecher: Kino des 21. Jahrhunderts. Isolde.
1. Sprecher: die Umdeutung des Dramatischen
Schauspieler: (12) sie tragen ...die drei Teile der Leiche zu ihrem Herren. Gottfried hat gelesen dass sie ihrem Herren sagten
was ihnen befohlen war
...zu sagen. Gottfried: ich glaube ... und stelle mir gewiß vor
was ich mir vorstellen muß:
König Gurmun hatte großes Leid.
die Königin die Schwester der Leiche
...trug noch stärker dieses Leid
sie und ihre Tochter Isolde.
Ihr wißt Frauen geht der Schmerz näher
er geht ihnen ins Herz.
sie sahen den toten Mann an
...durch ihren Schmerz hindurch l
ihr Herzleid wurde größer. sie küssen den Kopf die Hand die ihnen Volk und Land untertan gemacht haben wie bereits erzählt wurde. sie betrachten die Wunden ...am Kopf von oben bis unten.
die an Sinnen reiche weise Königin
...erblickt den Schwertsplitter ...im Kopf. mit einer Zange
...zieht sie ihn heraus.
sie ihre Tochter
...sehen die Scharte an
...mit Schmerz und Leid. beide nehmen sie
legen sie in einen Schrein. dasselbe Stück ... das Tristan in Not bringen wird.
1. Sprecher: wir warten oder aber überstürzen ... so wird gerade das Dramatische umgedeutet (beiläufig)
Schauspieler: (13) Tristan bestimmt seinen
denkenden Geist. er wollte wirklich nach
Irland. es würde ihm ergehen ... wie Gott es wollte
er würde genesen ... wenn es bestimmt war.
O-Ton: / * beginnt mit einem Ergebnis von Rolltreppengeräuschen
Schauspieler: (14) (in Irland angekommen) aus Schwäche musiziert Tristan ...mit Hand und Mund das Herz ... der Grund "der muot" fehlten.
__________Stille
(15) das Geschäft der Königin Isolde:
sie gibt Tristan ... (jetzt Tantris der Spielmann)
Leib und Leben wenn er ... einigermaßen gesund ihre Tochter unterrichten wird. Aufrechnung für Tristan: wie gut hat seine List funktioniert (nach dem Kampf mit dem Iren Morold, versteckt er vor den Iren seine Wunde.)
_______Stille
(16) (Motto) all ihre Einsicht ... ihr Wissen
richtet sie (Königin Isolde)
auf jemanden
um dessen Leben und Leibes Willen
für den sie ihr eigenes Leben ihren Leib gegeben hätte
sie hasste ihn aber in Wirklichkeit mehr
als sie sich selbst liebte.
er war ihr Feind.
das wußte sie aber nicht.
sie hätte ihn sonst getötet.
________Stille
2. Sprecher : (sehr munter) /* (mit dem folgenden Abschnitt parallel) dass Liebe ein Geruch sei, ... überrascht nicht. natürlich haben verschiedene Psychoklassen ihre verschiedene Chemie
Schauspieler: (17) warum soll er von seiner Herrin
ihrer Heilkraft ihrer Arznei ...und der Art wie sie mit Kranken umgeht
...erzählen fragt Gottfried. Worten die man aus der Büchse nimmt steht das Herrschaftliche "daz schone gezimt" ...entgegen erzeugt in höfischen Ohren Mißbehagen "missehage"
in den Herzen Widerstand "widerste".
Verkürzt: die Arznei und Krankenkunst seiner Herrin brachte zustande, dass sich nach zwanzig Tagen der Gestank von Tristan hob und man sich wieder in seiner Nähe aufhalten konnte. seit diesem Zeitpunkt lehrte Tristan der jungen Isolde das Buchwissen
und Musizieren was Gottfried nicht im einzelnen aufzählen möchte.
sie lernte das nach ihrer eigenen Wahl. was sie lernt ...gleicht einer Universallehre "und waz auch vlizec dar an,/ swes s'in der werlde began"
der Lehrgegenstand Tristans
...betrifft die Welt
...wie auch Gott lehrt
...Gott und der Welt gleich zu kommen Nahrung der edlen Herzen. ansonsten: gibt sie weder Besitz noch Nahrung die "moraliteit".
(jetzt doch eine reizvolle, liebesvolle Musik; als erstes und einzigstes Mal)
Schauspieler: (18) die junge Isolde ...ist mit ihrer neuen Kunst ...eine besondere Augenweide
1. Sprecher: (parallel zum folgenden) die Hälfte der Zeit ist es im Kino dunkel.
(geflüstert:) der Dialog aber handelt vom Alltag Schauspieler: ...für alle Ohren und Herzen. außerhalb und innerhalb der Brust
2. Sprecher: / * (parallel zum folgenden) die Augen sehen im Kino eine achtundvierzigstel Sekunde nach außen und eine achtundvierzigstel Sekunde sehen sie nach innen. der Dialog aber handelt weiter vom Alltag
Schauspieler: ...war Freude ...und Verlangen ... gleich "uzen und innerhalp der brust/ da war ir lust gemeine."
von ihr ausgehend
...wurden einige Gedanken Aufmerken ausgelöst durch sie ...wurde "wunder" gedacht
was wohl geschieht
(wie alle wissen)
wenn man so ein "wunder" sieht.
Isolde wie eine Sirene ...zog Herzen Gedanken an sie sang sich in die Bereiche des Herzens
heimlich und öffentlich
durch Ohren und durch Augen.
ihr offener Gesang
...klang durch die Ohren
...nieder ins Herz.
der heimliche Gesang aber
1. Sprecher: / * (parallel zum folgenden) es ist dunkel ... das ist etwas sehr schönes
...war ihre Schönheit
die ... mit ihrem Lustgetön
...heimlich und verborgen ...durch die Fenster der Augen
...sich in viele kostbare Herzen schlich
dort in einen Zauber schlug
der gefangen und gefesselt hielt
in Sehnsucht in liebendem Verlangen.
1. Sprecher: / * die Liebenden gehen vom Dunklen ins Dunkle
_________Stille wie zum Neubeginn
Schauspieler: (19) Brautfahrt. die leuchtende Isolde hat Tristan von seinem Glauben abgebracht den er aus einem Buch erfuhr: Helena die Tochter Auroras vereinige in sich alle Frauenschönheit diese Tatsache würde sich nun nach Irland verlagern
erweitert sich zu dem Begriff: Isoldes Schönheit wird allgemein ... schmückt und krönt die Frau ... den weiblichen Namen (gleiches Prinzip lehrt die "moraliteit")
O-Ton: / * (sehr knappes Rolltreppengeräusch)
(20) die Tristanneider
(der Rat des Königs Marke)
werfen Tristan Zauberei vor.
O-Ton: (knappes Rolltreppengeräusch)
(21) der Königsrat
...rät dem König
hat Tristans Tod im Sinn.
O-Ton: / * (knappes Rolltreppengeräusch)
(22) Tristan will dem Rat nachgeben.
sie sollen seine Unschuld an dem sehen
was längst entschieden ist:
das Land wird keinen Erben haben.
selbst ihrem eigenen ... nun befolgten Willen gegenüber ...zeigt der Rat Jammer "sine wurden also truric nie/ in all ir jaren" ...jetzt konnte nur noch geschehen was geschehen mußte: "nu muose ez unde solte wesen".
O-Ton: / * (Rolltreppentutti)
(23) sofort ...wird den Frauen bei Hofe die Geschichte erzählt Qual Schmerz Leid ...dieser Frauen "dien gesach an vrouwen nie kein man" die kleine Isolde ...war wie tod in ihrem Herzen "so leiden tac si nie gesach"
1. Sprecher: (parallel zum folgenden) das klassische Kinoidol der Frau besteht aus Perfektion mit einem Fehler (werbend gesprochen)
Schauspieler: die Mutter Isolde zur Tochter Isolde: laß es wie es ist ob die Geschicht auf Wahrheit oder Lüge beruht
wir werden etwas tun "wir suln ez undervarn"
Gott soll auch helfen. wegen einer so geringen Bedrängnis sollen Deine klaren
...Augen nicht weinen. Isolde an ihre Mutter: Mutter Herrin ...verachte nicht Deine Herkunft dich selbst. lieber ein Messer ins Herz lieber sich selbst das Leben nehmen als dass er ... Jungfrau oder Herrin ... an einer Isolde gewinnen
...darf Mutter Isolde: egal was irgendjemand dazu gesagt hat und hätte es die ganze Welt geschworen es wird nicht Dein Mann. die Nacht beginnt. die weise Frau (die ältere Isolde) befragt spricht mit ihren heimlichen Künsten befragt sie nach dem Leid der Tochter. im Traum sieht sie: nicht das ist geschehen was die Geschichte erzählte. schon wurde es Tag "unde iesa do ez tagete"
(Tagelied)
1. Sprecher: /* (zum folgenden parallel) eine Serie von Glücksmomenten in der Morgenstunde nach nächtlicher Verführung. (geflüstert:) der Preis ist hoch
Schauspieler: "a sueziu ... wachestuo?/ ja ... vrouwe ... min./ nu la din angesten sin./ wol uf" der Drache wurde nicht von ihm erschlagen ein Fremder erschlug ihn "wol uf " wir wollen die Geschichte selbst ansehen. Brangäne ...soll leise aufstehen Parnise bescheid geben für die vier zu satteln (Isolde, Isolde, Brangäne und Parnise) vor der verborgenen Tür.
Schauspieler: das klassische Kinoidol besteht aus Perfektion mit einem Fehler. der Fehler ist das Türchen, durch das die Identifikation (gesprochen wie Name einer Person) hereintritt
Schauspieler: sie ritten dort hin wo der Drachen erschlagen liegen sollte. sie finden das Pferd sie "bemerken unde trahten/ und in ihr sinnen ahten" das Zaumzeug sie kommen zu dem Schluss: wer ein solches Zaumzeug hat der muss ein Held sein. sie finden den Drachen (die leuchtende Frauenscharr wird totenfarbig) die Mutter Isolde zur Tochter Isolde: der Truchseß hätte niemals gewagt, den Drachen zu töten
sie ahnt "mich anet sere" ...den Helden lebend oder tot in ihrer Nähe ihr Sinn ...weissagt ihr das sie berät sich mit ihrer Tochter: (mit Gott ihn finden, um mit ihm den Kampf zu überwinden.) alle vier ...sollen für sich suchen. so passiert was passieren soll "nu ergieng ez, alse ez solte":
die junge Königin Isolde
...sah als erste
...ihr Leben Tod Freude Leid. ihre Aufmerksamkeit ...wurde vom Schein des Helms gelenkt
signalisiert den Fremden der Anblick ...des Helms ...lässt sie ihre Mutter rufen: ich sehe etwas glänzen ich weiß nicht was es ist wie ein Helm ich glaube richtig gesehen zu haben. der Mutter scheint es auch so: Gott hat uns bedacht ich glaube den wir suchen ...haben wir gefunden.
2. Sprecher: ...die leiseren Töne ... es entstehen Szenen, die weder tragisch, noch wirklich komisch sind (sehr nebensächlich gesprochen)
Schauspieler: (24) sie finden ihn
denken
...er ist tot
beide Isolden: er ist tod
die kluge Isolde
(die ältere Isolde)
sieht ihn an
sieht ihn am Leben.
gibt Anweisungen
ihn zu entwaffnen.
die Schönen
...alle drei
die leuchtende Gesellschaft
...findet die Zunge. Isolde fragt ihre höfische Nichte
...Brangäne was das sei. Brangäne: ich meine das ist eine Zunge.
Isolde: das ist wahr ... Brangäne
mir scheint
...und ich glaube das auch
sie ist von dem Drachen
bei meinem Tod
...weiß ich nun
das ist alles richtig
die Zunge nimmt ihm Kraft und Sinne.
Tristan bekommt einen Schwitztrank
er schlägt
...die Augen auf
sieht ...die Schar um sich versammelt
denkt ...in seinem Sinn:
umgeben von drei Lichtern:
der Sonne
die junge Isolde
ihrer Mutter Isolde
dem Morgenrot dem Vollmond
...Brangäne.
1. Sprecher: vielmehr hat jede von ihnen eine Ausfallerscheinung, die sie begehrenswert macht
Schauspieler: die kluge Isolde bemerkt seine Regung fordert zu sprechen auf. die junge Isolde sieht ihn an das ist Tantris der Spielmann. die anderen beiden: wir denken das auch. die ältere Isolde: wie und warum bist Du hier um was bemühst Du Dich hier. Tristan bittet ihm die Erzählung zu erlassen bis er wieder Kraft hat.
1. Sprecher: mit Krankheit reagieren, uneinig sein, hat im dramatischen Gewande eine leidenschaftliche Kraft, die sie im Alltag nicht haben kann
Schauspieler: die vier nehmen ihn bringen ihn ...durch die verborgene Tür ...ins Innere niemand erfährt von der Unternehmung. Abgesang: alles was zum Mann gehörte ...hatten sie mitgenommen: "beidiu harnasch unde man."
__________/*
(25) der nächste Tag Isolde fragt wieder verpflichtendes Argument:
nun...Tantris ...ich bin Dir willig und günstig
wie Du zu Deiner Frau sein solltest
wann kamst Du nach Irland
wie erschlugst Du den Drachen.
Tristan erzählt: er wollte sich als Kaufmann dort Freunde schaffen
und erschlug deshalb den Drachen.
_______/*
(26) Kurvenal. auch er besucht die Kampfstätte
findet nichts
hat Trauer.
er ruft Isolde:
ãowi ... owi ... Isot"
beklagt das Unglück
Isolde gefiel Tristan zu sehr.
(27) Gerichtstag. Isoldes Geliebter ...der König berät sich mit ihr getrennt vom übrigen Rat
die herrliche Königin
die ganz und gar weise
...war also auch da "diu saelige kunigin/ diu schoene wise was auch da" sie beruhigt ihn ohne die Geschichte zu erzählen.
sie plant den folgenden Ablauf:
löst den Eid ein lasst den Truchseß zu Wort kommen.
zur rechten Zeit ...komme ich mit der jungen Isolde.
Ihr befehlt mir ...und ich spreche ...für Euch für Isolde ...und mich.
_________/*
(28) die beiden Isolden die zwei ...kommen herein während der Begrüßung wird viel geredet ...und gedacht an dieser Stelle entstanden viele Gedanken und Erzählungen. sie kommen beim König an
der Truchseß wird zu sprechen aufgefordert. spricht. die Königin Isolde spricht ohne Aufforderung
der Truchseß beklagt das vor dem König
der König fordert die Königin Isolde auf ...für sich für Isolde für ihn ...zu sprechen. Isolde zum Truchses: Du hast Dir eine Tat und Kraft zugesprochen
an der Du gar nicht teil hattest
dieses Wissen gelangte heimlich zu mir.
___________/*
(29) Truchseß: Herrin ... Ihr redet ... ich weiß nicht warum
ich habe den Drachenkopf mitgebracht "ich han diz wortzeichen hie" die Isolden weisen
...nacheinander
...das Beweisstück ... als für jeden zugänglich ... zurück.
(der Truchseß spricht eine verkehrte Minnerede an die junge Isolde:) "ahi vrou junge künigin" Ihr macht das was alle Frauen machen ihr alle seid so beschaffen habt diese Eigenart
seid so gestimmt
Ihr meint das Üble sei gut
...und das Gute übel.
2. Sprecher: / * (parallel zum folgenden) sie kann nicht übelnehmen, weil sie alles Üble vergisst. sie ist auch nicht dankbar. sie ist unbezwinglich (zweimal hintereinander Sprechen wie einen Text)
Schauspieler: Ihr richtet Euch nach dem Gegensatz Ihr liebt das Umgekehrte der Dinge "Der dinge widerwarte"
__________/ *
(30) Königin Isolde: Dein denkender Geist ist gewaltig ...und klug für den der ihn in der gleichen Weise betrachten kann. es sieht so aus ...als wäre er in einer Kemenate ... von Frauen heimlich erdacht worden dazu ...hast Du ihn ritterlich vorgebracht
zu gut kennst Du die Art der Frauen zu weit bist Du gekommen Du hast die Mannesart verloren auch Du liebst zu sehr das Umgekehrte der Dinge Du bist ein Mann lass uns unsere Frauenart sei ein Mann ...und liebe
was Dich liebt.
ich hörte erzählen ...den Drachen hat ein anderer Mann erschlagen.
__________/ *
(31) die zwei Damen "vrouwen" (Isolde und Isolde)
pflegen weiterhin den Spielmann
(Tantris bzw. Tristan) Körper und Hautfarbe ...hatten schon wieder Glanz.
jetzt ...blickt Isolde ihn viel an
angeregt betrachtet sie seinen Körper
...und sein Benehmen "gelaze"
oft sieht sie heimlich auf seine Hände
...in seine Augen
sieht seine Arme und Beine
an denen lag offen
was er heimlich umhüllte
sie betrachtete ihn von oben bis unten
heimlich spricht ihr Herz: Gott Du hast zu diesem Leib ein ungleiches Leben geschaffen "got herre, du hast ime gegeben/ dem libe ein ungeliches leben." das sagte Isolde oft.
(32) die Jungfrau Isolde befahl
...Tantriß/Tristans Waffen zu putzen
Isolde betrachtet alles im einzelnen
es ereignete sich für Isolde ... das was geschehen musste
vor allen anderen ...fand sie wieder ihre Qual ihr Herz ...war darauf gerichtet ihre Augen ...flossen dahin dahin ... wo das Waffenzeug lag.
Sprecherin: / * Anna 0., das ist Bertha Pappenheim, die Freuindin Martha Bernays später Freud, spricht von "chimney sweeping", eine saloppe Formulierung für "den Kamin fegen". ein so intelligentes Mädchen wie Anna 0. ist mit dem ganzen Komplex so vertraut geworden, dass sie die Kenntnis dessen unbewußt dem dramatischen Kern ihrer Krankheit habe einverleiben können
Schauspieler: er Gottfried weiß nicht wie es sich ergab dass sie das Schwert in ihre Hände nahm
sie als Jungfrau und Kind sie zog es heraus
sah es an betrachtete es
"wa unde wa"
sie sah ... (entdeckte)
die abgebrochene Stelle
sah diese lange und andauernd an
sie dachte in ihrem Sinn "in ir muote":
Gott ich glaube ich habe das abgebrochene Teil
das an dieser Stelle sein müsste
ich werde es ansehen.
geholt ... eingesetzt
war das Ganze eins
wie vor zwei Jahren
ihr Herz wurde kalt
(vom alten Leid). vom Zorn ... und vom Leid ... wird ihre Farbe totenbleich dann feuerrot "a"
sagt sie wer brachte die Waffe von Cornwall hier her
der Onkel wurde damit erschlagen Tristan hieß der der das tat jetzt besitzt sie der Spielmann Tantriß.
sie nimmt die Namen
betrachtet sie ihren Klang:
ich weiß nicht
sie ähneln einander
sie wendet die Namen im Mund
die Buchstaben beider Namen waren gleich sie trennte jeweils die Silben voneinander ...und setzte sie andersherum wieder zusammen
sie fand den Grund ("si vant ir ursuoche dar an")
solang las sie Tristan
...und solang las sie Tantris
"ja, ja" sagte sie
Sprecherin: sie las manchmal seinen Namen ganz langsam, wie den
eines Fremden; der war er auch. es war nicht der Name des jungen Mannes, den sie kennen gelernt hatte eines Nachmittags, den sie sich falsch gemerkt hatte, der niemanden - und am wenigsten ihr - damals etwas bedeutet hatte
Schauspieler: mein Herz hat mir gesagt ich habe in meinem Herzen gelesen er ist ein Herr zu zweit haben wir Dich gerettet gerettet jetzt bist Du sicher verloren das Schwert wird Dein Ende sein. sie ruft sich selbst: schnell-... räche deinen Schmerz ... Isolde mit dem Schwert geht sie zu Tristan
Sprecherin: / * (belustigt, affektiert oder aufgeregt) geht der Körper geht auch die Frau. die Frau und der Körper gehören untrennbar zusammen. die Frau gehört in vielen Ländern zum Alltag des Straßenbildes
Schauspieler: der saß im Bad ja Tristan bist Du's nein Herrin ich bin's
Tantriß
ich bin sicher ... Du bist Tantriß und Tristan
beide sollen sterben
(Tristan jammert und fleht)
_________/ *
(33) Königin Mutter kommt zur Tür herein
"wie nun?" sagte sie Tochter ... das Schwert in Deiner Hand
"a" Herrin Mutter das ist der Mörder Tristan Isolde liefert den Beweis "a" "Isot" warum hast Du mich erinnert Isolde erhebt das Schwert über Tristan
"la stan" Isolde: "ez ist sin tot"
Tristan: "merzi, bele Isot" Isolde: "i übeler man" ... "i unde vorderstu merzi?"
nein ... Tochter Mutter Isolde erinnert an den gewährten Schutz
Tristan beruft sich auf den selben Du lügst sagt Isolde zu Tristan
ich weiß sehr gut ...wie die Abmachung war
diese richtete sich an Tantriß
sie stürzt sich auf Tristan Tristan: "a bele Isöt, merzi merzi". der Kommentar: die Mutter ... die Königin war da Tristan konnte ohne Sorgen sein
wäre er zu dieser Zeit im Bad gefesselt gewesen
und wäre Isolde alleine da gewesen
er wäre ... auch dann ... am Leben geblieben
die Liebliche die Vornehme die ... Säure ... im weiblichen Wesen
Böses im Herzen
...noch nicht kannte wie hätte sie einen Mann erschlagen können.
Sprecherin: die Neigung von Autoren, das Wissen "intelligenter Mädchen" dem Unbewußten zuzuschreiben (verhaltene Pause) ist etwas Unausrottbares.
Schauspieler: (34) sie wirft das Schwert von sich sie spricht weinend: "ouwe" die Weise ihre Mutter aber argumentiert: Deine Qual ist gleich mit meiner meine ist noch stärker der Mann im Bad beginnt ... im Sinne der Königin zu sprechen: Isolde ... Mutter ... Isolde sie sieht ihn lange an ...und wird rot ihre strahlenden Augen füllen sich: "ouwe" ich höre ... weiß jetzt jetzt habt Ihr mir die Wahrheit ungefragt gesagt
"owi, owi"
ich habe Euch in meiner Gewalt
kann sie aber nicht nutzen Gewalt aber ... ist vielerlei
ich glaube diese Gewalt kann ich gegen meinen Feind hegen
das Recht verwirren
...so stark
...an einem schlechten Mann
ja ... Herr
will ich das
wirklich ... ja ich glaube.
da hinein ...kommt Brangäne sieht das Schwert bloß liegen sieht die Frauen ... vom Kummer gefärbt. Brangäne: was jetzt warum dieses Aussehen was macht ihr drei was bedeutet das die Königin: wir sind betrogen Brangäne sehe dort sitzt Tristan sollen wir uns rächen? Brangäne: nein ... Herrin Ihr seid vornehm. Isolde: was verlangst Du ... soll ich tun Brangäne: Herrin das müsst Ihr Euch überlegen geht lasst ihn aussteigen (aus dem Bad) währenddessen ... überlegt. Brangäne: man soll den Mantel wenden ... wie der Wind sich dreht
Tristan ist so höfisch
...wie Ihr selbst
wie auch immer Euer Herz zu ihm steht
seid höfisch.
________/ *(sehr sehr kurz)
(35) die drei stehen auf gehen weg kommen hin wo Tristan auf dem Bett sitzt Tristan vergisst nicht sich selbst springt auf fällt den höfisch Vornehmen vor die Füße
er fleht um Gnade
die strahlende Gesellschaft
die Strahlenden ... alle drei jede von ihnen ... sah weg
sie sahen einander an
sie standen ... und er lag. Brangäne: Herrin der Ritter liegt zu lange da.
Königin Isolde:
was meinst Du soll ich tun
ich weiß nicht
was zu tun ist
was nützlich wäre. Brangäne: folgt mir Herrin Ihr ... und meine Jungfrau Isolde versprecht ihm sein Leben. die beiden Damen
(Isolde und Isolde):
so soll es sein.
das Versprechen war getan sie setzten sich alle vier.
___________/ *
(36) Tristan erzählt seine Geschichte:
wollt Ihr mein guter Freund sein
innerhalb von zwei Tagen
...könnte Eure Tochter
die Ihr liebt
einen König nehmen
der sich eignet
ihr Herr zu sein
er ist reicher als ihr eigener Vater.
Brangänes Rat als Weisung an die Königin:
ich denke
das ist gut
ich rate dass Ihr darauf eingeht
den Zweifel ablegt
steht beide auf
(zu Isolde und Isolde)
...und küßt ihn.
Sprecherin: Groß die einen Frauen, die anderen klein. nach der Frau folgt nur mehr der Alltag.
Ende
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