wie ich
es wünsche:





Isolde
und Isolde



meine russische Seite


and mother sleeps in the fields


father has died in the fields


T I N T O R E T T O













































Elfriede

Elfriede ging bis zur Küche hindurch, wackelte ein wenig. "Sie schwankt". Ich hörte keinen darüber sprechen. Das Hinsetzen, ein ebenso schweres fast ruckartiges Niedersegeln, die Arme landen dabei vollständig auf dem Tisch vor dem Stuhl. Während sie sitzt kommt es vor, dass sich der Rumpf noch einmal von der Sitzfläche wegschiebt, um wieder im freien Raum herumzuhangeln, der so weit frei ist, wie Arme und Schultern die Handgriffe für ein frisches Getränk zu kontrollieren suchen, dabei auch verschütten, die Flüssigkeit wieder verwischen. Alle anderen Bewegungen sind nicht geübter, aber weniger bildlich. Das Getänzel und Gewackel während aller Tätigkeiten bleibt ein Wagnis; das eigentliche Wagnis ist dabei mit Sicherheit das Stillstehen. Nur, warum ist gerade das ein Wagnis? (Als wäre drumherum Schrift und innendrin die klaren Züge: also ist es doch zu entscheiden! Wahrscheinlicher aber ist die ewige Bewegung am Rande, die Sehnsucht nach dem klaren Inneren.)

Das Bett ist das Geeignetste für sie. In das kann sie sich ganz und gar hineinlegen, da muss sie nichts gerade halten oder verschränkt, hin und her rücken, an sich halten oder von sich weg. Dort scheint sie am glücklichsten, unstörbar. Sie ist hier froh.
Auf der Straße, den offenen Räumen gibt es wenig Probleme, weil sie dort wiegt und schaukelt in der Symbiose mit der zweiten Person und es ist egal wie diese Person aussieht, das heisst wer sie ist und wo sie sich befindet.

Es spielt oft in einer Landschaft, in ihr mittendrin, am Rande der Stadt, einmal halb um sie herum und quer durch sie hindurch. Es ist zu spüren. Über die Landschaft hinweg kann ein Unnennbarer fahren. Er fährt in einem Symbol, das heute noch drüber fährt. Das Symbol(?) ...wird nicht ängstlich gefragt. Das Symbol kann auch der Berg sein, den es in dieser Landschaft nicht gibt.
Im wachen Zustand glaubte sie, mit einer Familie auf einer sehr kleinen Insel anzukommen. Die Insel ist so klein und umständlich geräumig wie ein kleines Boot. Sie sieht nicht richtig hin, ist aber in Begleitung einer Frau mit ihren zwei Kindern, um die sie penetrante Sorge hat, die gleichzeitig unaufmerksam und nervös ist und diese Ansammlung so in einer guten Ballung hält. Die Frau und Freundin neben ihr hat viel zu tun und kann sich so wenig kümmern. Ihre eigene größte Sorge ist es - gerade angekommen - das nächste Schiff nicht zu verpassen in der großen Angst, ganz oder länger dort zu bleiben. Sie hantiert die ganze Zeit mit einem riesigen rechteckigen und ausziehbaren Tisch herum. Ein Flügel ist bereits ausgezogen und steht von der normalen Waagerechten schräg nach oben ab. Es sind große sperrige Teile auf diesem engen Raum. Trotz der ausfahrenden Bewegungen, die Teile zu ihrer Funktion zu zwingen, geht es nicht um den Gebrauch des Tisches, sondern um eine Heizplatte, die ebenso riesig zwischen der oberen Tischplatte und einem unteren Brett liegt, sie hat das gleiche Ausmaß der ausgezogenen Hälfte. Vermutlich trägt der zweimal so große Zwischenteil des Tisches wie auch die andere Ausziehhälfte ebenso eine entsprechend große Heizplatte in sich. Die Freundin wird fahrig und macht viele Dinge auf einmal. Für einen oder einen längeren Moment kümmert sie sich um die Kinder. Sie aber (Elfriede!) entdeckt, dass die Heizplatte (dunkles schweres Metall) etwas holprig, in keinem Fall glatt, an den Rändern ausgefranst (wie weggerostet) ist. Sie ist nicht richtig eingepasst. Der Abstand zwischen dem oberen und dem unteren Holz ist einfach zu groß. Freier Fall ensteht, da die entwickelte Wärme des Metalls ohne Wirkung bleiben wird. Sie ruft ihre Freundin. Die Wärme der Metallplatten wie ihre Stimme sind in der Luft unter freiem Himmel. Sie erklärt die aufgetretenen Fehler am Heizplattentisch und den Verlust der Wärme, versucht sich gegen den Zwang zu stemmen und den direkten Zusammenhang zwischen der Metallwärme und der Verpflegung der Kinder zu unterdrücken, sie drängt, dass alle sich zur Abfahrt bereit machen und fragt nach dem nächsten Schiff. Wann kommt es? Ihr Blick fällt endlich auf das Wasser. Zwei Schiffe fahren kurz hintereinander nah an der Insel vorbei. Sie nimmt an, dass die gleichen Schiffe auf ihrem Rückweg an derselben Stelle vorbei kommen werden, was vielleicht gleich ist. Der Blick auf die Fahrtrichtung der Schiffe wird von dem eigenen kleinen Inselgebilde schnell versperrt. Sie verschwinden. Sehr weit ist nicht zu sehen. Es gibt eine schwere feuchte Luft, ein grauschwarzes unruhiges Wasser. Weit hinten lässt eine Aufheiterung einen sehr hohen Berg hervorkommen, der ein wenig mit Schnee bedeckt ist. Der Berg steht zu etwas landschaftlich Dunklem im Verhältnis, wobei Elfriede nicht erkennen kann, ob es sich dabei um die Küste oder einen ihm nahegelegenen zweiten Berg ohne Schnee handelt.
Karin Derkow